Francesco Guardi

(Venedig 1712 – Venedig 1793)

Nach dem Tod seines Bruders Giovanni Antonio (1698/99–1760), der seit 1716 die Werkstatt des Vaters fortgeführt hatte, übernahm Francesco Guardi 1760 das Familienunternehmen. Die Zuschreibung vieler figürlicher Werke an ihn oder an seinen Bruder ist nach wie vor in der Forschung umstritten. Heute werden die Qualitäten von Giovanni Antonio eher im Bereich der figürlichen Malerei gesehen. Viele bedeutende Historien, die ehemals Francesco zugeordnet wurden, gelten heute als sein Werk.

Francesco Guardi zeichnete sich seit 1760 vor allem als Vedutenmaler aus. Ansichten der Lagunenstadt fanden in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts große Resonanz bei Italienreisenden und Kunstliebhabern und waren deshalb besonders gut verkäuflich. Anfangs stand Francesco in diesem Metier so stark unter dem Einfluss von Canaletto (1697–1768), von dem er zahlreiche Motive entlehnte, dass vermutet wurde, er habe zeitweise in dessen Werkstatt gearbeitet. In seinem lichtdurchfluteten Spätwerk erreichte er mit seinem pastosen Farbauftrag eine „magia di effetto“, die, wie der venezianische Kunstkritiker Missaglia[1] 1826 die Wirkung der Gemälde Guardis beschrieb, weit über Canalettos topographisch korrekte Veduten hinausging.

[1] Dizionario Biografico Universale, Bd. 26, 1826, S. 421.